Willst du Informationen effektiver nutzen?

  • Neue Informationen verdauen: Besprechungen, Fachartikel, Webinare, Newsletter, Fortbildungen, …
  • Neue Situationen einschätzen. Neue Probleme lösen.
  • Selber Informationen liefern: Hilfestellungen geben. Sachverhalte klar darstellen. Überzeugend argumentieren.

Unser Tagesgeschäft kann uns ganz schön ins Schwitzen bringen. Und obendrein sollen wir mit unserem Wissen auch noch fit für die Zukunft bleiben. Wie können wir das hinbekommen?

Mit Notizen und KI kannst du:

  • Deinen Informationsbestand und deine Denkarbeit effektiver organisieren.
  • Effektiver neue Informationen filtern, sortieren und aufnehmen – kurz: effektiver lesen.
  • Effektiver dein Wissen erweitern – lernen.
  • Effektiver Ideen entwickeln.
  • Effektiver kommunizieren.
Informationen effektiver nutzen visualisiert als fünf Aspekte von effektivem Denken, die alle miteinander in einem Fünfeck verknüpft sind: Organisieren, Lesen, Lernen, Ideen entwickeln, Kommunizieren.

 

Informationen effektiver nutzen mit Notizen und KI: Wozu und wie

Effektiver denken mit… Notizen? Ganz banalen Notizen???

Ja, mit ganz banalen Notizen. Man kann Notizen nämlich als Denkhilfe benutzen. Wie das grundsätzlich geht, beschreibe ich ein paar Absätze weiter unten.

Und: Solche Denkhilfe-Notizen machen gerade auch in Zeiten von Künstlicher Intelligenz Sinn. Darauf komme ich gleich.

Insbesondere macht es Sinn, wenn man eine Sammlung von Denkhilfe-Notizen (kürzer gesagt: ein „Notizen-Denkwerkzeug“) mit KI-Tools zu einer „Denkwerkstatt“ verbindet.

Mit einem Stift schreibende Hand als Symbol für Wissensarbeit.

Wenn du dir so eine Denkwerkstatt aufbaust – und selbst aufbauen musst du sie, denn der Kern dabei sind deine eigenen aufnotierten Gedanken – dann kannst du damit zwei Vorteile unter einen Hut bringen:

  1. Du machst dir deine alltägliche Denkarbeit dauerhaft leichter, und
  2. Du entwickelst direkt während deiner regulären Denkarbeit dein Wissen und deine Kompetenzen systematisch weiter, nicht nur bei gesonderten Fort- und Weiterbildungen.

Denken mit Notizen kann dir helfen, GeneralistIn zu sein

Angenommen, du würdest in den nächsten Jahren weiter bei deiner jetzigen Tätigkeit bleiben. Was denkst du: Wird deine Arbeit dann in drei Jahren auch noch so aussehen wie heute? In fünf Jahren? In zehn?

Einer der Faktoren, die unsere Arbeit absehbar verändern werden, ist Künstliche Intelligenz.

Was KI-Programme in drei, fünf oder zehn Jahren können werden, weiß heute niemand. Trotzdem können wir proaktiv mit den Veränderungen umgehen. Nämlich, indem wir überlegen, welche Rolle wir im Zusammenspiel mit KI übernehmen wollen, und wie wir uns für diese Rolle positionieren können.

Wo willst du bei der Arbeit mit KI-Programmen sitzen: Auf dem Rücksitz oder am Steuerrad?

Warum eigentlich nicht bequem auf dem Rücksitz Platz nehmen und eine KI am Steuer die Arbeit machen lassen?

Genau das kann man in mehreren amerikanischen Städten seit einiger Zeit tun: Das Google-Schwesterunternehmen Waymo meldete im Mai 2024 wöchentlich über 50.000 bezahlte Fahrten mit seinen Robo-Taxis1.

Bequem ist das schon, wenn man nicht selber arbeitet, klar. Wenn auch noch dafür gesorgt ist, dass die Rechnung bezahlt wird – gute Fahrt!

Ob, wie und von wem die Rechnung bezahlt werden wird, wenn KI deine Arbeit macht… tja. Aber lass uns mal nur um der Überlegung willen annehmen, dass es ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle geben wird, deren bisherige Arbeit durch KI überflüssig wird.

Wenn dein Einkommen gesichert wäre, auch ohne, dass du Denkarbeit leistest:

Würdest du dann tatsächlich auf dem Rücksitz sitzen wollen? Oder nicht doch lieber am Steuerrad, bei einer neuen Tätigkeit?

Falls du am Steuerrad sitzen willst, dann sehe ich dabei drei mögliche Rollenverteilungen zwischen dir und der KI.

(1) Das KI-Programm erzeugt die Ergebnisse, du übernimmst die Verantwortung dafür. Beispiel: Du lässt eine KI für dich einen Text schreiben, stehst aber für den jeweiligen Inhalt gerade. Zum Beispiel musst du bei einer Besprechung die Gedankengänge in dem Text begründen und kritische Fragen beantworten können.

(2) Das Programm erzeugt einen Entwurf, den du aber noch wesentlich überarbeitest, eventuell interaktiv zusammen mit dem Programm. Beispiel: Du setzt andere inhaltliche Schwerpunkte, lässt manche Gesichtspunkte beiseite, nimmst andere dazu, stimmst die Darstellung auf eine bestimmte Zielgruppe ab.

(3) Du erzeugst einen Entwurf und nutzt das KI-Programm, um Einzelheiten auszuarbeiten, oder auch als möglichst konstruktiven Kritiker deines Entwurfs. Beispiel: Du fragst das Programm nach möglichen Argumenten, die gegen deinen Gedankengang sprechen könnten.

Wie kannst du dich dafür positionieren, eine Tätigkeit am Steuerrad zu übernehmen?

Um diese Rollen einnehmen zu können brauchst du entsprechendes Wissen. Und zwar drei Arten von Wissen.

  • Know-why. Welche Zwecke verfolgst du mit dem Einsatz von KI in einer bestimmten Situation – worauf kommt es an? Geht es zum Beispiel hauptsächlich um Geschwindigkeit, etwa bei einem Produktdesign, um möglichst frühzeitig Rückmeldungen zu bekommen? Oder kommt es auf größtmögliche Sorgfalt an, z.B. bei der Konstruktion eines medizinischen Geräts mit lebenserhaltender Funktion?
  • Know-what. Was speziell soll eine KI tun, um die jeweiligen Zwecke zu erreichen? Wie kannst du die Qualität des Ergebnisses einschätzen, das eine KI bei einer bestimmten Aufgabe erzeugt?
  • Know-how. Wie bringst du eine KI dazu, genau das zu tun, was sie tun soll? Bei KI-Programmen vom Typ ChatGPT geht das mit „Prompt Engineering“, d.h. mit Anfragen, die präzise und geeignet formuliert sind. Zum Beispiel führt die Anfrage „Wie entsteht ein Regenbogen?“ zu einem deutlich anderen Ergebnis als die Anfrage „Erkläre einem achtjährigen Kind in höchstens 250 Worten, wie ein Regenbogen entsteht“.

In einer Studie der Harvard Business School zum KI-Einsatz durch Unternehmensberater erwiesen sich das Know-why und das Know-what als die beiden Schlüsselbereiche2. Dieses Ergebnis kann man meiner Meinung nach verallgemeinern:

Als Mensch am Steuer einer KI musst du die Zusammenhänge eurer gemeinsamen Aufgabe verstehen, um die KI kompetent dirigieren zu können. Mit anderen Worten:

Im Zusammenspiel mit Künstlicher Intelligenz musst du inhaltlich kompetenter Generalist sein, dem ein oder mehrere KI-Spezialisten dann zuarbeiten. (Inhaltlich kompetent deswegen, weil du im Zusammenwirken mit KI ohne eigene inhaltliche Kompetenz eben nicht am Steuer sitzen kannst, sondern nur auf dem Rücksitz).

Damit ist die Richtung klar. Wenn du im Hinblick auf KI beruflich fit für die Zukunft bleiben willst, dann erhöhst du deine Chancen, wenn du dich in deinem Gebiet zum inhaltlich kompetenten Generalisten entwickelst.

Wie du mit Hilfe von Notizen als GeneralistIn denken kannst

Zusammenhänge verstehen. Konkrete Problemsituationen mit allgemeinen Prinzipien in Beziehung setzen. Parallelen zu anderen Problemsituationen herausarbeiten, in deinem eigenen Gebiet oder auch in Analogie zu anderen Gebieten. In einer Welt, die dauernd im Fluss ist.

Wie schnell sich deine Welt gerade dreht, hängt von deinem jeweiligen Gebiet ab. Und wie hoch deine persönliche Arbeitsbelastung ist, von deinen individuellen Umständen. Aber wie auch immer es bei dir speziell aussieht:

Als GeneralistIn zu denken erfordert ständige Übung und Weiterentwicklung. Und zwar in der konkreten Praxis, im Realitätstest. Direkt bei deiner Arbeit.

Genau dabei können dich Notizen unterstützen. Ausgerechnet Notizen, dieses unscheinbarste aller Hilfsmittel für geistige Arbeit. Das Mauerblümchen, das Aschenputtel, das hässliche Entlein. Notizen.

Sehen wir uns das einmal an einem konkreten Beispiel an, nämlich dem oben erwähnten Know-how zum „Prompt Engineering“: Wie man KIs zielgerichtet Anweisungen gibt.

Beispiel: Notizen zur Gedächtnisstütze und als Denkhilfe beim Aufbau von Know-how

Die ersten Gehversuche mit einer KI wie ChatGPT sind extrem einfach. Du tippst eine Anfrage in derselben Form ein, wie du sie auch einem Menschen schriftlich stellen würdest, und die KI erzeugt eine Antwort.

Außerdem zeigen viele KI-Programme auf ihren Startseiten verschiedene Beispiele und Tipps dazu, wie man Anfragen – „Prompts“ – formulieren kann. Vielleicht teilen auch KollegInnen ihre eigenen Erfahrungen mit dir. Und natürlich findet man im Netz inzwischen eine unübersehbare Menge einschlägiger Artikel und Videoclips. Kurse und Lehrbücher sind ebenfalls auf dem Markt.

Du kannst dir hier also Know-how aneignen, indem du teils (a) selber ausprobierst und dich teils (b) in der Informationsflut bedienst. Das tust du in einem Mix gemäß deiner eigenen persönlichen Vorlieben und baust dir so in deinem Kopf ein erstes Wissen bezüglich Prompt Engineering auf. Und jetzt?

Behältst du dein neues Wissen nur in deinem Kopf, oder dokumentierst du es in irgendeiner Form?

„Nur im Kopf“ funktioniert in diesem Stadium nur, wenn deine persönlichen Anwendungsfälle so begrenzt sind und du sie so häufig ausführst, dass du dir alles Nötige tatsächlich einfach merken kannst. Nehmen wir jetzt aber mal an, dass du dir weiter gehendes Know-how schaffen willst. Dann brauchst du früher oder später eine Gedächtnisstütze außerhalb deines eigenen Kopfs. Dann fängst du an, dir Notizen zu machen.

Wenn du dir Notizen machst: Was bezweckst du damit – wie willst du deine Notizen nutzen?

Der Einstieg ins Notieren ist schlichte Gedächtnisstütze. Du kannst KI-Prompts, die sich für dich bewährt haben, genauso sammeln wie Kochrezepte.

Rezepte nachkochen zu können genügt aber nicht, um sich als Koch vom Anfänger zum Fortgeschrittenen zu entwickeln. Ebenso, wenn du KI-Programme wirklich kompetent einsetzen können willst. Dazu musst du dein entsprechendes Know-how erweitern und vertiefen.

Wenn du kompetent werden willst, dann genügt es nicht, dir irgendwelche Rezepte zu merken, ob nun auswendig in deinem Kopf oder mit Hilfe von Notizen. Wenn du kompetent werden willst, dann musst du verstehen, warum etwas Sinn macht, sei es beim Kochen oder bei der Arbeit mit KI-Programmen.

Und auch um so ein Verständnis zu entwickeln kannst du Notizen nutzen. Das sehen wir uns jetzt in den folgenden beiden Abschnitten an.

Know-how erweitern und vertiefen durch Lernen aus eigenen Erfahrungen und durch Lernen von Anderen

Manche KI-Prompts werden für deine Zwecke bessere Ergebnisse liefern als andere. Wie kannst du aus diesen Erfahrungen lernen?

Indem du dir selbst geeignete Fragen stellst.

Fragen wie etwa,

  • In welcher Hinsicht funktionieren bestimmte Prompts besser, andere schlechter?
  • Was sind Gemeinsamkeiten, wo liegen Unterschiede?
  • Lassen sich daraus irgendwelche Prinzipien ableiten?

Ebenso beim Lernen von anderen Menschen, zum Beispiel aus den vielen einschlägigen Artikeln im Netz. Auch hier kannst du lernen, indem du Fragen stellst.

  • Welche Artikel kommen zu ähnlichen Empfehlungen, welche widersprechen sich, welche ergänzen sich?
  • In welchen einzelnen Punkten, und mit welchen Begründungen?
  • Wie passt das mit deinen eigenen Erfahrungen zusammen?

Fragen, wie du sie dir als GeneralistIn stellst, um Zusammenhänge zu begreifen, Beziehungen zwischen speziellen Situationen und allgemeinen Prinzipien herzustellen, und so weiter. Durch solche Fragen und deine Antworten darauf kannst du dein verstehendes Wissen erweitern und vertiefen.

Das ist ein komplexer gedanklicher Prozess. Und diesen gedanklichen Prozess kannst du dir erleichtern, wenn du ihn nicht ausschließlich nur in deinem Kopf ausführst, sondern mit Hilfe von Notizen.

Notizen als gedankliche Trittsteine nutzen

Mit Notizen können wir Gedanken ausdrücken. Zum Beispiel ein Problem beschreiben. Mit mehreren Notizen können wir dann eine ganze Kette von Gedanken abbilden, z.B. von der Problembeschreibung bis zur Lösung. Und weiter:

Wir können mit aufnotierten Gedanken nicht nur einfache Ketten bilden, sondern auch verflochtene Netze. Zum Beispiel ein Netz aus Problembeschreibung, verschiedenen Methoden und Ansätzen für die einzelnen Lösungsschritte, den schließlichen Lösungsschritten selbst, und schlussendlich der Lösung.

Eine strukturierte Sammlung von Denkhilfe-Notizen: Das meine ich in diesem Blog mit dem Begriff „Notizen-Denkwerkzeug“.

Trittsteine in einem Fluss als Sinnbild für Notizen als Zwischenschritte beim Denken.

So ein Notizen-Denkwerkzeug ist in dreifachem Sinn unbezahlbar.

  • Erstens kannst du es für keinen Preis der Welt kaufen, sondern musst es dir selber schaffen, weil der Kern eines Notizen-Denkwerkzeugs deine eigenen Gedanken sind.
  • Zweitens kannst du es dir kostenlos schaffen. Denn von den elektronischen Notiztools, die sich als physische Grundlage eines Notizen-Denkwerkzeugs eignen, sind einige völlig kostenlos verfügbar.
  • Drittens kannst nur du selbst beantworten, wieviel der Nutzen wert ist, den dir dein Notizen-Denkwerkzeug bringt. Und der kann für dich durchaus unbezahlbar sein.

Ganz banale Notizen. Von Notizen auf irgendwelchen Zetteln, die überall verstreut sind, bis hin zu Notizen in einem Notizen-Denkwerkzeug und weiter in einer Denkwerkstatt.

Das war jetzt mein einführender Überblick aus der Flughöhe einer Satelliten-Umlaufbahn. Im nächsten Blogartikel verlasse ich diese Umlaufbahn-Perspektive und werde erdnäher:

Effektiver lesen: Ein einfaches Beispiel


  1. Steinlechner (2024), Alphabet: Waymo absolviert 50.000 bezahlte autonome Fahrten pro Woche
  2. Dell’Acqua et al. (2023), Navigating the Jagged Technological Frontier: Field Experimental Evidence of the Effects of AI on Knowledge Worker Productivity and Quality

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